Projektbeschreibung

Die Verben bilden aufgrund ihrer Hauptfunktion, das Prädikat in einem Satz zu stellen, eine wichtige Schnittmenge zwischen Grammatik (Syntax) und Lexikon. Verben sind nicht nur morphologisch und semantisch definiert, sondern besonders auch durch ihre Eigenschaft, bei der Satzbildung quantitativ und qualitativ definierte „Leerstellen“ für Satzglieder zu „eröffnen“ (Valenz), die durch entsprechende Formulierungen besetzt werden können/müssen. Wie diverse Valenzwörterbücher zeigen, gehört die Angabe des Valenzpotentials eines Verbs auch zu seiner vollständigen Beschreibung im Wörterbuch.

Die Ausweitung der Valenztheorie auf historische Sprachstufen des Deutschen und die Ausarbeitung entsprechender Valenzwörterbücher zeigt bereits, welch großer Gewinn nicht nur für die historische Grammatik, sondern auch für die Interpretation der Quellentexte selbst durch die Herausarbeitung der Verbvalenz auf den historischen Sprachstufen zu erzielen ist. Der Erkenntnisgewinn wird noch vergrößert durch den diachronen Aspekt, das heißt, durch die Aufarbeitung der Valenzgeschichte der Verben vom Beginn ihres Auftretens in der deutschen Sprachgeschichte bis zu ihrer syntaktischen, semantischen und stilistischen Verwendung in der heutigen Kommunikation. Fallbeispiele wie die diachrone Analyse des Verbs gelüsten (ahd. gilusten) zeigen, dass die Valenzgeschichte der Verben nicht nur Aufschlüsse über den semantischen und syntaktischen Wandel eines Verbs liefert, sondern z.B. auch Erklärungen für das Verschwinden eines Verbs aus der aktuellen Kommunikation daraus abgeleitet werden können.

Dieser Aufgabe, aus den historischen Quellen die Valenzgeschichte der Verben des Deutschen zu erarbeiten und in Lexikonartikeln zusammenzufassen, unterziehen sich die Projektbeteiligten. Dabei gehen sie nach folgender Methode vor. Zugrunde gelegt werden Wortfelder (begonnen wurde mit den Verben der Emotion). Als Quellen dienen die historischen Wörterbücher des Deutschen und andere (digitalisierte) Belegrepositorien. Für die Bearbeitung der auf den drei historischen Sprachstufen pro Wortfeld vorhandenen Verben ist je ein Team zuständig. Ein viertes Team verfasst durch Vergleich der Analyseergebnisse auf den Sprachstufen mit Bezug auf das Neuhochdeutsche eine zusammenfassende Valenzgeschichte pro Verb.

Projektbeteiligte:

  • Sandra Aehnelt (Dresden)
  • Christian Braun (Graz)
  • Manuel Burghardt (Regensburg)
  • Nandor Csiky (Nyíregyháza)
  • Albrecht Greule (Regensburg)
  • Jarmo Korhonen (Helsinki)
  • Alexander Lasch (Dresden)
  • Susanne Näßl (Leipzig)
  • Michael Prinz (Zürich)
  • Rebecca Rapp (Regensburg)
  • Sandra Reimann (Regensburg)
  • Jörg Riecke (Heidelberg)
  • Jouni Rostila (Helsinki)
  • Hans Ulrich Schmid (Leipzig)
  • Sebastian Seyferth (Zittau/Görlitz)

Teilprojekt des Projekts „Contrasting and Comparing Languages and Cultures (CoCoLaC)“ (Universität Helsinki)

Weitere Informationen zum Projekt auch im Sammelband „Historisches syntaktisches Verbwörterbuch – Valenz- und konstruktionsgrammatische Beiträge“ (Finnische Beiträge zur Germanistik), hg. von Albrecht Greule und Jarmo Korhonen.

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